Weltmeisterschaft: Diese Branchen räumen ab
Mittwoch, 04.07.2018

Weltmeisterschaft: Diese Branchen räumen ab

Fußball ist ein Milliardenspiel. Geht es für die Teams bei jeder Begegnung um Sieg oder Niederlage, stehen bereits vor dem WM-Eröffnungsspiel andere Gewinner fest.

Diesen Beitrag teilen:

„Das Runde muss ins Eckige“ – glaubt man Sepp Herberger, Bundestrainer der Weltmeister von 1954, dann ist Fußball das Leichteste der Welt. Komplex wird es aber, wenn man hinter die Kulissen schaut. Längst dreht es sich nicht mehr ausschließlich um 22 Männer und einen Ball. Alle vier Jahre findet ein globales Megaereignis statt, das weit über die Grenzen des Fußballs Bedeutung hat – gesellschaftlich, sozial, aber eben auch wirtschaftlich.

Egal ob das Turnier in Deutschland, Südafrika oder Brasilien ausgetragen wurde, der größte Gewinner stand bereits im Vorfeld fest: die FIFA. Bei der WM in Südafrika beliefen sich die Einnahmen des Fußballweltverbandes auf rund 2,6 Milliarden Euro, vier Jahre später konnten sich Sepp Blatter und Co. über eine Rekordsumme von 3,3 Milliarden Euro freuen. Das Geld stammt größtenteils aus dem Verkauf von TV-, Marketing- und Lizenzrechten. Ein lukratives Geschäft.

Mit Trikots und Bällen zum Sieg

Doch wer verdient neben der FIFA noch am Geschäft mit dem runden Leder? Zu den Profiteuren jeder Fußballweltmeisterschaft gehören die großen Sportartikelhersteller Adidas, Sponsor der FIFA, Nike und Puma. Offizielle Zahlen werden zwar nicht veröffentlicht, rund um das Turnier brummt aber das Geschäft mit Trikots, Schuhen und Bällen. Allerdings zeigt sich ein Großteil der Effekte meist schon im Vorjahr, denn die Vorstellung der neuen Mannschaftsausstattung erfolgt in der Regel pünktlich zum Weihnachtsgeschäft.

Euphorie als Verkaufsmotor

Letztendlich spielen aber auch der Austragungsort und die Euphorie der Fans eine große Rolle. Vereinfacht gesagt gilt: Findet die Weltmeisterschaft in einem bevölkerungsreichen, aber wirtschaftlich weniger gut entwickelten Land statt, ist der Effekt für die Sportartikelhersteller besonders positiv. Der Markt ist noch nicht gesättigt, die Verkaufsmaschinerie läuft hier auf Hochtouren. Bei einer WM wie 2006 in Deutschland – einem wirtschaftlich reifen Markt – ist dagegen die Stimmung der ausschlaggebende Faktor. Wenn die Heimmannschaft im Turnier weit kommt, es sogar bis ins Finale schafft, kommt bei den Fans Euphorie auf – das kurbelt die Trikotverkäufe richtig an.

Für die WM dieses Jahr in Russland stehen die Aussichten für Adidas und Co. gut: Das Land hat die Rezession hinter sich gelassen, wirtschaftlich läuft es also wieder besser, und auch der Konsum der zahlreichen Verbraucher steigt. Gleichzeitig ist der Markt noch nicht gesättigt. Das Abschneiden der russischen Nationalmannschaft könnte der entscheidende Faktor sein.

Und natürlich schauen die Sportunternehmen auch genau auf das Abschneiden der Mannschaften, die sie ausstatten. Hier steht das Ergebnis bereits fest – 12 : 10. Denn Adidas stattet insgesamt zwölf Teams aus, darunter Weltmeister Deutschland, Argentinien, Belgien, Spanien und Gastgeber Russland. Nike konnte zehn Mandate für sich gewinnen, etwa Top-Teams wie Brasilien, England, Frankreich und Portugal. Je größer und kaufstärker das Land, desto häufiger klingeln die Kassen beim Ausstatter, wenn die Mannschaft im Turnier weit kommt. Für Puma war es also ein herber Rückschlag, dass sich ausgerechnet Italien nicht für die Endrunde der WM qualifizieren konnte.

Torjubel macht durstig

Gerade bei heißem Sommerwetter haben auch die Brauereien bei großen Sportevents Grund zur Freude. Ob in den Stadien, beim Public Viewing oder zu Hause – überall wird beim Fußballschauen Bier getrunken. So verzeichnete die deutsche Brauerei Bitburger als exklusiver Bieranbieter in den WM-Stadien während des „Sommermärchens“ einen Absatzzuwachs von 2,6 Prozent. Insgesamt tranken die Deutschen im Gesamtjahr 2006 mit durchschnittlich rund 116 Litern pro Person erstmals seit Jahren wieder mehr Bier. Der Ausreißer im Pro-Kopf-Konsum dürfte auf die WM im eigenen Land zurückzuführen sein. Im Folgejahr sank die Zahl wieder auf rund 112 Liter und folgte damit dem langjährigen Trend. Im Jahr 2014 fand die WM in Brasilien statt, wo im Schnitt knapp 50 Liter Bier pro Person im Jahr getrunken werden: In den Wochen rund um das Turnier stieg der Bierabsatz am Zuckerhut um insgesamt 7,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, davon sind 4,5 Prozent direkt auf das Fußballereignis zurückzuführen.

In Russland wird mit rund 60 Litern pro Person zwar deutlich weniger Bier getrunken als in Deutschland. Sollte die russische Nationalmannschaft im Turnier aber weit kommen, würde das besonders Carlsberg freuen. Der größte Anbieter auf dem russischen Markt wird wohl am Austragungsort den größten Effekt erzielen. Weltweit sollte insbesondere WM-Sponsor und größter Brauereikonzern Anheuser-Busch InBev profitieren. Der Konzern nutzt das „Schaufenster“ WM, um seine Marken Budweiser, Becks und Corona durch aufwendiges Marketing bei den Konsumenten auf der ganzen Welt als Premiummarken zu platzieren.

Mehr als nur ein Spiel

Fußball und insbesondere Großereignisse wie eine WM ziehen wirtschaftlich weite Kreise. Sportartikelhersteller und Brauereien profitieren dabei am stärksten. Aber auch andere Branchen verdienen viel Geld mit dem Fußball, darunter Wettanbieter, die Tourismusindustrie und Bauunternehmen, die rund um die Stadien die nötige Infrastruktur errichten. Auch das Geschäft mit Lizenzen, Sponsoring und Werbung bringt Umsätze in Milliardenhöhe. Während die Fans gespannt auf den Anpfiff warten, schauen sich Investoren die Aktien der beteiligten Unternehmen daher ganz genau an.

Ihre Bewertung:

Vielen Dank für Ihre Bewertung.

So fanden andere den Artikel:

Sobald Sie Ihre Bewertung abgegeben haben, ist auch das Gesamtergebnis sichtbar.

Diesen Beitrag teilen:

Lust auf weitere spannende Themen?

Mit der richtigen Aufstellung zum Ziel

Mit der richtigen Aufstellung zum Ziel

Ob beim Fußball oder bei Ihren Finanzen – entscheidend ist die richtige Taktik.

Teaser-Link
  • Geschichten
Was ist der Durchschnittspreiseffekt?

Feste Sparrate, bessere Ausbeute

Geld sparen – das möchte jeder. In bestimmten Fällen kann dabei der sogenannte Durchschnittspreiseffekt helfen.

Teaser-Link
  • Fakten

Russland: Grund zum Jubeln?

Wir beleuchten den WM-Gastgeber aus Kapitalmarktsicht.

Teaser-Link