Was ist mit den Zinsen los?
Mittwoch, 20.12.2017

Was ist mit den Zinsen los?

Wer spart, erhält Zinsen. Derzeit aber nur sehr wenig. Warum ist das so, und wann ist wieder mit mehr zu rechnen?

Wer sein Geld spart, der hofft auf möglichst hohe Zinsen. Das funktioniert allerdings schon länger nicht mehr: Egal ob Sparbuch, Tages- oder Festgeld, die Zinsen liegen bei kaum mehr als null Prozent, und deshalb vermehrt sich das angelegte Geld so gut wie gar nicht. Der Hauptgrund dafür liegt in der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die für die 19 Staaten der Eurozone verantwortlich ist und somit auch für Deutschland.

Wichtiger Stellhebel der EZB: die Leitzinsen

Eine Aufgabe der EZB ist es, den Leitzins festzusetzen. Dieser bestimmt, zu welchen Bedingungen sich Geschäftsbanken Geld bei der Zentralbank leihen können. Senkt die EZB die Leitzinsen, können sich die Banken zu günstigeren Konditionen Geld besorgen. Auf diese Weise will die Notenbank Investitionen anstoßen und die Wirtschaft ankurbeln, denn die Banken können das günstig erworbene Geld als Kredite an Unternehmen und private Haushalte weiterreichen. Wer also ein Unternehmen besitzt oder ein Haus baut, der profitiert über niedrige Kreditzinsen von einem niedrigen Leitzins.

Höherer Leitzins gut für Sparer

Für Sparer ist ein niedriger Leitzins hingegen schlecht, denn er hat zur Folge, dass die Banken für Spareinlagen selbst nur wenig Zinsen zahlen. Seit Juli 2012 liegt der Leitzins in der Eurozone bei unter einem Prozent und seit März 2016 sogar bei exakt null Prozent. Für die Sparer wäre es deshalb eine gute Nachricht, wenn die EZB den Leitzins anhebt – denn das würde in der Folge auch die Banken dazu verleiten, ihre Zinsen auf Erspartes zu erhöhen.

Wende in der Geldpolitik?

Auf ihrer Sitzung im Oktober 2017 verkündete die EZB einen Richtungswechsel in ihrer Geldpolitik. Doch damit meinte sie keine Anhebung des Leitzinses. Sie bezog sich stattdessen auf das zweite Instrument, mit dem sie die Wirtschafts- und Preisentwicklung in der Eurozone beeinflusst: das Anleihekaufprogramm. Seit Februar 2015 kauft die EZB monatlich Staatsanleihen, seit Juni 2016 auch Unternehmensanleihen. Dieses Geld können die Firmen und Staaten in der Eurozone wiederum investieren. Neben der Absicht, die Konjunktur weiter anzukurbeln, zielen die Notenbanker darauf ab, eine Inflation von etwa zwei Prozent herbeizuführen. Diese erachten sie als ökonomisch sinnvoll. EZB-Präsident Mario Draghi verkündete Ende Oktober, ab Januar nur noch für 30 statt 60 Milliarden Euro im Monat Anleihen anzukaufen. Zugleich verlängerte er das Programm jedoch um mindestens neun Monate. Der Einstieg in das Tapering, wie das Drosseln der Anleihekäufe genannt wird, ist damit trotzdem vollzogen.

Keine Leitzinserhöhung in Sicht

Die EZB fährt ihre lockere Geldpolitik also etwas zurück. Aber wann steigen endlich wieder die Zinsen auf Sparbuch & Co.? Fürs Erste wohl leider gar nicht. Mit der Ankündigung des Taperings wird die EZB nicht so schnell ihren zweiten geldpolitischen Stellhebel betätigen. Sie hält die Leitzinsen weiter niedrig. Finanzexperten deuten die Signale der EZB so, dass vor Sommer 2019 mit keiner Zinsanhebung zu rechnen ist. Und dann würde die Erhöhung zunächst sehr gemäßigt ausfallen, so wie es derzeit bei der US-Notenbank Fed der Fall ist. Sie begann Ende 2015 ihren Leitzins zu erhöhen, und zwei Jahre später liegt die Leitzinsspanne aktuell bei 1,25 bis 1,5 Prozent. Das ist immer noch nicht allzu viel, aber immerhin ein Anfang. Das Beispiel zeigt: Das Niedrigzinsumfeld wird uns noch eine ganze Weile begleiten. Für Sparer macht es definitiv Sinn, sich nach Alternativen zu Sparbuch und Tagesgeld umzuschauen.

Finanzexperten deuten die Signale der EZB so, dass vor Sommer 2019 mit keiner Zinsanhebung zu rechnen ist.

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