Happy Birthday, DAX!
Mittwoch, 24.01.2018

Happy Birthday, DAX!

Seit 30 Jahren gibt es den deutschen Aktienindex. Wir zeigen, was hinter den drei Buchstaben steckt.

Wenn darüber berichtet wird, wie es deutschen Unternehmen aktuell geht, kommt an ihm wohl kaum jemand vorbei: dem Deutschen Aktienindex, kurz DAX. Schließlich gilt er als wichtiges Börsenbarometer – und das seit seiner Einführung vor dreißig Jahren. Doch warum ist das so? Und was genau sagt sein Wert überhaupt aus?

Index der Schwergewichte

Ein Aktienindex stellt die Entwicklung bestimmter Aktienkurse von Unternehmen in einer Region oder Branche dar. Der DAX bezieht sich auf den deutschen Aktienmarkt und bildet 30 Titel ab. Von seinen „Erfindern“ war er anfangs nur als Ergänzung zu anderen Indizes gedacht, doch der DAX hat sich längst zum Richtungsweiser für die deutsche Wirtschaft entwickelt und ist auch aus der internationalen Börsenlandschaft nicht mehr wegzudenken.

Wer kommt in den Klub der Großen?

Um in den DAX aufgenommen zu werden, ist nicht Mitarbeiterzahl oder Konzerngewinn relevant – entscheidend sind zwei Kennzahlen: die Marktkapitalisierung im Streubesitz und der Orderbuchumsatz.

Die Marktkapitalisierung wird auch als Börsenwert bezeichnet. Sie ist der Gesamtwert aller an der Börse gehandelten Anteile eines Unternehmens (Anteile, die das Unternehmen selbst hält, bleiben also außen vor). Streubesitz bedeutet, dass die Aktien dem freien Börsenhandel zur Verfügung stehen.

Beispiel: Ein Unternehmen hat zwei Millionen Aktien ausgegeben, 500.000 Aktien davon besitzt es selbst. Somit befinden sich nur 1,5 Millionen Aktien im Umlauf – das ist der sogenannte Streubesitz. Um den Börsenwert zu berechnen, werden diese 1,5 Millionen Aktien mit dem aktuellen Aktienkurs multipliziert. Wäre dieser in unserem Beispiel bei 10 Euro, läge der Börsenwert beziehungsweise die Marktkapitalisierung des Unternehmens aktuell bei 15 Millionen Euro (1,5 Millionen Aktien x 10 Euro).

Der Orderbuchumsatz wiederum gibt Aufschluss darüber, wie stark ein Wertpapier in einer bestimmten Periode gehandelt wird.

Es bleibt spannend

Welche Unternehmen im DAX vertreten sind, ändert sich also aufgrund der schwankenden Börsenwerte der einzelnen Unternehmen. Von den Konzernen, die bei der Gründung in den DAX aufgenommen wurden, ist heute immerhin noch die Hälfte mit dabei. Insgesamt haben in den vergangenen 30 Jahren 59 Unternehmen dem wichtigsten deutschen Index angehört.

Zudem werden im DAX nicht alle Mitglieder gleich gewichtet, sondern entsprechend ihrer Streubesitz-Marktkapitalisierung. So machte beispielsweise Siemens im Januar 2018 etwa neun Prozent im DAX aus, ProSiebenSat.1 als kleinster Wert hingegen weniger als 0,6 Prozent. Wenn es bei Siemens also einen Kurssprung gibt, hat dies vergleichsweise deutlich stärkere Auswirkungen auf den Index als eine Veränderung des Aktienkurses von ProSiebenSat.1. Mit dieser Gewichtung soll erreicht werden, dass der Index die deutsche Unternehmenswelt bestmöglich abbildet.

Um in den exklusiven Klub zu kommen, gibt es regelmäßige Termine, an denen überprüft wird, ob alle Unternehmen im Index auch zu Recht dort vertreten sind. In Ausnahmefällen ist es möglich, von den Regelterminen abzuweichen. Dies kann zum Beispiel bei Übernahmen oder größeren Veränderungen im Streubesitz vorkommen.

Bestes Jahr

1997 gewinnt der Leitindex 47,1 Prozent – bislang das beste Jahr der DAX-Geschichte.

Erfolgsgeschichte

Doch egal, welche Unternehmen im Börsenbarometer vertreten sind, gilt: Wer als Anleger bei der Gründung 1988 investiert hat und am Ball geblieben ist, konnte sich in den meisten Jahren über gute Gewinne freuen. Nur acht der bisherigen 30 DAX-Jahre endeten im Minus – die aber mitunter kräftig.

Tiefpunkt

Das Platzen der Dotcom-Blase und die Terroranschläge vom 11. September 2001 haben den Dax tief nach unten gedrückt: Am 12. März 2003 beträgt der Verlust im Vergleich zum 7. März 2000 72,7 Prozent.

Besonders verlustreich waren die Jahre 2000 bis 2002 – übrigens die einzigen aufeinanderfolgenden Jahre mit roten Zahlen. Verantwortlich dafür war das Platzen der sogenannten Dotcom-Blase. Zwar kletterten die Kurse in den darauffolgenden fünf Jahren wieder kräftig; ganz aus den Köpfen ist die geplatzte Internetblase bei vielen Anlegern jedoch noch nicht.

Familiensache

  • Die 30 Großen sind nicht allein: Zur DAX-Familie gehören noch drei Geschwister.

  • Im MDAX – dem Mid Cap Index – sind 50 Unternehmen mit mittelgroßem Börsenwert gelistet. Sie folgen hinsichtlich Marktkapitalisierung im Streubesitz und Orderbuchumsatz den 30 großen DAX-Titeln.

  • Noch eine Nummer kleiner geht es im SDAX zu. Hier sind ebenfalls 50 Unternehmen versammelt; das S in SDAX steht für „Small“.

  • Der TecDAX richtet sich in der Auswahl der vertretenen Unternehmen nicht nur nach der Größe: Der Index enthält – passend zum Namen – ausschließlich Unternehmen der deutschen Technologiebranche.

Deutscher Index, globales Investment

Der DAX ist längst auf der internationalen Bühne angekommen: Der Anteil ausländischer Investoren beträgt mittlerweile mehr als 50 Prozent. Bei einzelnen Unternehmen wie etwa Adidas oder Bayer liegen sogar mehr als 70 Prozent der Aktien in Depots außerhalb Deutschlands. Das zeigt, wie attraktiv die größten deutschen Unternehmen für Investoren aus den USA und Asien sind – aber auch, wie vernetzt die globale Wirtschaft mittlerweile ist.

Die DAX-Unternehmen gehören zu den sogenannten Global Playern und erwirtschaften oft nur noch einen Bruchteil ihrer Umsätze im Heimatland; bei Fresenius Medical Care liegt der Anteil der ausländischen Umsätze sogar bei 98 Prozent. Aufgrund der hohen Präsenz exportstarker Unternehmen ist ein DAX-Investment so immer auch ein Investment in die Wirtschaft der ganzen Welt.

Rekordwert

Getrieben von weltweit robusten Konjunkturdaten, der Erwartung einer guten Berichtssaison und starker Vorgaben aus den USA erreicht der DAX am 23. Januar 2018 die Marke von 13.559 Punkten – ein neues Allzeithoch.

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