Ordnung tut gut
Mittwoch, 14.11.2018

Ordnung tut gut

Freiheit ja, aber nicht ohne Form und Struktur, rät der Autor Frank Berzbach.
Das sei auch beim Thema Finanzen sehr wichtig.

Diesen Beitrag teilen:

Die Digitalisierung hat uns in vielen Bereichen ein ungeahntes Maß an Freiheit verschafft. „Jederzeit und überall“ heißt die Devise. Während der Zugfahrt können wir schnell die E-Mails prüfen, sehen die Lieblingsserie zur Lieblingszeit und arbeiten von jedem Ort aus, solange es dort einen Internetzugang gibt. Das reinste Paradies, oder?

Newsletter

Sie interessieren sich für die Finanzwelt? Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter und erhalten Sie einmal im Monat alle Neuigkeiten rund ums Geld.

„Homeoffice im Bett ist der Horror“

Einspruch erhebt der Psychologe und Kulturpädagoge Frank Berzbach. Er hat zum Beispiel mit dem Buch „Formbewusstsein: Eine kleine Vernetzung der alltäglichen Dinge“ vor zwei Jahren einen Erfolg gelandet. Eines ist ihm wichtig: „Ich möchte die Freiheiten, die Gesellschaft und Technik uns gebracht haben, niemals missen.“ Aber Berzbach sieht auch deren Schattenseiten und fragt sich und seine Leser, ob wir darauf nicht mehr Augenmerk lenken sollten. Ein Beispiel: „Der Horror für jeden Arbeitspsychologen ist Homeoffice mit dem Laptop im Bett.“ Hier vermischt sich im Zweifel alles: der private Raum mit dem beruflichen, die Pause mit der Arbeitszeit, bei manchen auch noch die Garderobe für die Freizeit mit der für das Arbeiten. Ist doch egal, könnte man sagen. Berzbach jedoch ist überzeugt: „Struktur schafft Klarheit.“

Pausen zu einer festen Uhrzeit

Dementsprechend strukturiert ist sein Alltag. Beim Arbeiten zu Hause geht Berzbach nach dem Aufstehen und der fest reservierten Zeit für ein Frühstück eine kurze Zeit spazieren. Das hilft dem Körper, in Schwung zu kommen. Vor allem aber grenzt es die Phase des Wachwerdens von der des Arbeitens ab. Der positive Effekt sei, sich viel besser auf die jeweils aktuelle Tätigkeit konzentrieren zu können, sagt Berzbach. Geordnet verläuft auch sein weiterer Tag, nämlich entlang fester Pausen: „Mittagessen, Nachmittagspause und Abendessen lasse ich nicht ausfallen und versuche außerdem, diese Erholungen immer zur gleichen Zeit stattfinden zu lassen.“

Wer keine Struktur pflegt, kommt schnell aus dem Takt

Die Pausenkultur hält Berzbach für ein gutes Beispiel, was in früheren Tagen meist besser geordnet war. „Über Pausen konnte man in den meisten Berufen nicht selbst entscheiden, das hat einen festen Tagesablauf gebracht. Dieser Rhythmus fällt heute bei immer mehr Menschen weg.“ Ohne eine eigene Struktur mit gewissen Fixpunkten komme man dadurch irgendwann aus dem Takt. „Das kennen ja viele Menschen: In Stresszeiten hat man erst keinen Hunger und Durst, dafür isst man zu spät und dann meistens zu viel, schließlich schläft man zu spät ein. Ich finde, dadurch schafft man sich zusätzliche Belastungen“, sagt Berzbach.

Ordnung in Finanzfragen entlastet im ganzen Alltag

Nicht nur bei der Arbeit, sondern im gesamten Leben empfindet es Berzbach als angenehm, wenn der Alltag und seine Gegenstände ihre Form haben. Eine aufgeräumte Küche, ein gemachtes Bett, ein begrenzter Umgang mit dem Smartphone – all das sind für ihn Bausteine auf dem Weg zu einem ruhigen Bewusstsein und damit zu weniger Stress. Das Thema Finanzen hält er dabei für sehr wichtig. „Der Umgang mit Geld spielt doch fast jeden Tag eine Rolle. Wenn ich hier keinen Überblick habe, setze ich mich dem Risiko aus, über meine Verhältnisse zu leben. Oder es kann passieren, dass ich viel sparsamer als nötig bin und mir Dinge verkneife, die ich mir durchaus leisten könnte.“ Hingegen mache das regelmäßige Kümmern um die eigenen Finanzen viele Situationen entspannter. „Ich will doch die Freiheit haben, mich je nach Laune einfach mal kurz ins Café zu setzen, oder mir auch mal den teureren Wein leisten können.“ Diese Freiheit ergebe sich beim Geld aber wie in anderen Lebensbereichen aus einer guten Struktur.

Sich vor der Beschäftigung mit Finanzfragen zu drücken hält Berzbach für keine gute Idee: „Wer Geldfragen als lästig abtut, entwickelt ein irrationales Verhältnis dazu – und lässt sich davon am Ende den Alltag verderben.“ Ein bestimmtes Sprichwort in diesem Zusammenhang stört ihn besonders: „Über Geld spricht man nicht – dieses Tabu finde ich ganz schlecht! Denn solche Gespräche führen doch nicht zu Neid, sondern zum Austausch von Tipps und Strategien.“ Eine gute Adresse dafür sind die Berater der Hausbank. Sie bieten wertvolle Unterstützung bei der Ordnung der eigenen Finanzen.

Dr. Frank Berzbach

Dr. Frank Berzbach unterrichtet Psychologie an der ecosign/Akademie für Gestaltung und Kulturpädagogik an der Technischen Hochschule Köln. Er arbeitet zu Fragen zu Achtsamkeit, Arbeitspsychologie, Kreativität, Mode, Popmusik und Popkultur.

Ihre Bewertung:

Vielen Dank für Ihre Bewertung.

So fanden andere den Artikel:

Sobald Sie Ihre Bewertung abgegeben haben, ist auch das Gesamtergebnis sichtbar.

Diesen Beitrag teilen:

Lust auf weitere spannende Themen?

Soll ich oder soll ich nicht?

Soll ich oder soll ich nicht?

Eine Wahl zu treffen ist manchmal gar nicht so leicht. Das gilt besonders bei wichtigen Dingen wie den eigenen Finanzen.

Teaser-Link
  • Geschichten
Wieder in Mode? Das Haushaltsbuch

Wieder in Mode? Das Haushaltsbuch

Ob mit Notizbuch und Kuli oder digital per App: Wer seine Ausgaben aufschreibt, hat seine Finanzen besser im Griff.

Teaser-Link
  • Fakten

Regelmäßig Geld sparen

Hier finden Sie heraus, wie sich Sparen mit einer zeitgemäßen Anlageform lohnen kann.

Teaser-Link