Mit der Kraft der Gemeinschaft zum Erfolg
Donnerstag, 16.11.2017

Mit der Kraft der Gemeinschaft zum Erfolg

Nicht überall steht der Profit im Vordergrund. Was es bedeutet, das genossenschaftliche Prinzip zu leben, zeigt die Energiegenossenschaft Odenwald.

Mit einem Lächeln auf den Lippen drückt Thomas Mergenthaler auf den kleinen schwarzen Knopf an seinem Schreibtisch. So wie jeden Morgen. Rasant bewegt sich die Tischplatte in die Höhe, bis der Vorstand der Energiegenossenschaft Odenwald (EGO) schließlich den Druck seines Fingers löst. Thomas Mergenthaler arbeitet gerne im Stehen. Ohnehin ist er eher ein Mensch, der vorangeht und Dinge anpackt. Am liebsten gemeinsam, so wie er es von klein auf kennengelernt hat. Denn mit dem genossenschaftlichen Prinzip ist der heute 52-Jährige groß geworden.

„Wir kennen die Genossenschaft ja in erster Linie aus dem Bankenbereich. Dort gibt es die Volks- und Raiffeisenbanken, die mit diesem Geschäftsmodell arbeiten. Ich bin damals mit 16 Jahren in die Volksbank Odenwald eingetreten und habe in meinem Berufsleben nur die Genossenschaft kennengelernt. Für mich war das schon immer eine tolle Rechtsform. Von Anfang an überzeugt hat mich dabei das genossenschaftliche Prinzip: Einer für alle, alle für einen“, sagt Mergenthaler.

Unter diesem Motto wurde im Jahr 2009 auch die EGO gegründet. Die Idee kam dabei von Mergenthalers ehemaligem Arbeitgeber, der Volksbank Odenwald. Sie wollte durch die Gründung der Genossenschaft Kräfte bündeln, um das Zukunftsthema erneuerbare Energien schneller und großflächiger in der Region umzusetzen.

Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele!

Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele!

Idee mit Tradition

In Deutschland blicken Genossenschaften auf eine lange und bewegte Geschichte zurück; die ersten wurden bereits vor 160 Jahren gegründet. Die Idee zur Gründung der ersten genossenschaftlich geprägten Organisation entstand dabei buchstäblich aus der Not: Industrialisierung und zunehmende Verstädterung machten im 19. Jahrhundert auch der Bevölkerung auf dem Land das Leben schwer. Viele Handwerker und Bauern mussten ums Überleben kämpfen, um gegen die Massenproduktion von Gütern in großen Fabriken zu bestehen.

In dieser Zeit gründeten Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch die ersten Genossenschaften, in denen sich Handwerker, Bauern oder Kaufleute zusammenschlossen. So rief 1847 Friedrich Wilhelm Raiffeisen den ersten Hilfsverein zur Unterstützung der notleidenden Landbevölkerung ins Leben, und 17 Jahre später gründete er schließlich den Heddesdorfer Darlehnskassenverein, der heute als die erste Genossenschaft im Raiffeisenʼschen Sinne gilt.

Auch nach über 150 Jahren ist das Motto „Was der Einzelne nicht schafft, das schaffen viele“ aktueller denn je: Rund 800 Millionen Menschen weltweit sind in Genossenschaften organisiert, alleine in Deutschland sind es 20 Millionen. Sich in einer Genossenschaft zusammenzutun ist also für viele Menschen immer noch der ideale Weg, gemeinsam Ziele zu erreichen.

„Wir haben bei der Genossenschaft einfach den Vorteil, dass jeder mitmachen kann. Denn es geht darum, etwas Gutes zu schaffen, von dem die Mitglieder und damit auch die Menschen in der Region profitieren“, sagt Mergenthaler.

Eine besondere Anerkennung:
Die Genossenschaftsidee wurde 2016 von der UNESCO in die Liste des lmmateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Mitgliedschaft kann sich auszahlen

So ist es im Übrigen im Genossenschaftsgesetz verankert. Es geht nicht darum, Gewinne zu maximieren. Stattdessen steht die Förderung der Mitglieder an erster Stelle. Genossenschaften gibt es dabei in den verschiedensten Branchen. Viele landwirtschaftliche Betriebe sind zum Beispiel genossenschaftlich organisiert, aber eben auch im Energiesektor oder wie bereits erwähnt im Finanzwesen sind sie anzutreffen. Gemeinsam haben alle Genossenschaften den Grundgedanken, dass Ziele gemeinsam besser zu erreichen sind als im Alleingang.

Kunde einer Genossenschaft kann dabei jeder werden. Man muss kein Mitglied sein, um beispielsweise sein Girokonto bei der Volksbank zu haben oder frische Milchprodukte eines genossenschaftlichen Molkereiunternehmens zu kaufen. Der Erwerb von Genossenschaftsanteilen kann durchaus Vorteile mit sich bringen. Zum einen erwirbt man so ein Recht auf Mitbestimmung, und zum anderen kann man von speziellen Mitgliederangeboten profitieren.

„Jedes Unternehmen findet hier seinen eigenen Weg, das umzusetzen. Wir haben zum Beispiel einen ganzen Blumenstrauß an Vorteilen für unsere Mitglieder zusammengestellt“, sagt Mergenthaler. „Zunächst zahlen wir unseren Mitgliedern eine Dividende für das von ihnen zur Verfügung gestellte Kapital. Zudem haben sie die Möglichkeit, sich von uns kostengünstig mit Strom und Gas beliefern zu lassen, und wir bieten eine umfassende Energieberatung an. Dabei greifen wir auf unser breites Netzwerk aus Architekten und Energieberatern zurück.“ Darüber hinaus gehört jedem der etwas mehr als 3.000 Mitglieder ein Stück der Energiegenossenschaft Odenwald. Teil dieser Gemeinschaft und des genossenschaftlichen Prinzips zu sein zahlt sich also durchaus aus.

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